Standard vom 19.Nov.2010


Einrichtungsspezialistin Ursula Polster wohnt in der Wiener City. Verändert wird in ihrer Wohnung so gut wie nichts
Einrichtungsspezialistin Ursula Polster wohnt in der Wiener City. Verändert wird in ihrer Wohnung so gut wie nichts. Das tut sie lieber bei anderen, erfuhr Michael Hausenblas.

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"Ich wohne seit 35 Jahren in einer kleinen Gasse im ersten Wiener Bezirk. Der Barockbaumeister Johann Bernhard Fischer von Erlach ist 1723 in diesem Haus gestorben. Abgesehen von meiner Zeit in New York habe ich hier 23 Jahre in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung verbracht. Vor zwölf Jahren bin ich in dann in den vierten Stock übersiedelt. 180 Quadratmeter misst das Zuhause für mich, meinen Mann, den Anwalt Karl Newole , und unsere Boxerhündin Alena. Insgesamt sind es sieben Räume - einer davon ist mein sogenanntes Mädchenzimmer. Das gehört mir ganz allein. Die alte Wohnung haben wir trotzdem behalten - für Gäste. Wir nennen diese Bleibe 'das Atelier'. Beide Wohnungen sind gemietet. Es gibt leider keine Möglichkeit, sie zu kaufen.

Obwohl ich aus der Steiermark stamme, ist Wien meine Heimat, vor allem der erste Bezirk. Er ist ja auch ein kleines Dorf. Mein neues Geschäft ist in der Schultergasse, einer Fußgängerzone im ersten Bezirk. Im Sommer sitzen wir oft am Abend vor dem Geschäft, trinken ein Glas Wein, und die Nachbarn setzen sich einfach dazu. Eigentlich wollte ich, nachdem ich mein Einrichtungsgeschäft Silenzio am Salzgries vor vier Jahren verkauft habe, überhaupt aufhören und mich nur noch um die Vertretung meiner Kollektionen kümmern. Mein Mann hat dann aber gesagt: 'Du gehörst doch unter Menschen!' Und da war zufällig dieses Geschäft frei. Im Prinzip mache ich also das Gleiche wie früher, nur ist mein jetziges Geschäft kleiner und gemütlicher. Mit dem offenen Kamin ist es wie zu Hause, und deshalb arbeite ich auch gern sonntags. Vielleicht bin ich ein kleiner Workaholic.

Unsere Wohnung hab ich vor zwölf Jahren eingerichtet, und es wurde in all den Jahren kaum etwas verändert. Ich würde sie als zeitlos elegant beschreiben. Wir haben sehr viele Materialien gemixt. Da gibt es Edelstahl, Alu, aber auch Holztische und Leder, Möbel, die ganz einfach nicht nerven. Das ist es auch, was ich den Leuten immer predige: 'Kauft ein Sofa, das zeitlos schlicht ist. Bringt Abwechslung durch Farben, durch Decken und Pölster.' Ausgefallene Möbel muss man sich leisten können. Das funktioniert gut bei Menschen, die diese Dinge nach ein paar Jahren einfach auf den Dachboden stellen.

Da ich ständig damit zu tun habe, Kunden neu einzurichten, brauche ich ein Nest, in das ich mich zurückziehen kann. Und das ist unsere Wohnung. Was soll ich hier verändern? Es passt einfach alles. Wohnen ist für vollkommene Entspannung. Ich arbeite kaum zu Hause. Hier ist der Ort, wo ich meine Ruhe finde. Das bedeutet Wohnen für mich. Ob es Arbeit ist, Wohnbücher zu studieren? Aber nein! Das ist mein größtes Vergnügen. Es inspiriert mich, wenn ich sehe, wie andere wohnen.

Einer meiner Lieblingsplätze ist sicherlich die Küche, denn mein Mann liebt es zu kochen. Ich setze mich an unseren großen Nussholztisch, schau ihm zu, und wir plaudern über die Ereignisse des Tages. Wenn ich allein bin, liege ich gern vor dem Kamin und lese oder brüte Ideen aus.

Ach ja, das hätt ich fast vergessen: Es gibt noch eine kleine Terrasse. Die befindet sich nicht auf dem Dach, sondern geht in einen großen, hellen Innenhof. Aber ganz ehrlich, mir reicht der Ausblick auf den Himmel.

Außerdem bauen wir ein kleines Häuschen aus Holz und Glas am sogenannten Bauernsee, das ist der kleine Neufeldersee. Da gibt's riesige Hechte und Karpfen, und das Wasser hat Trinkwasserqualität. Das ist mein kleiner und großer Traum vom Wohnen: das Häuschen mit Blick auf die Berge und den See. Und natürlich behalten wir eine Wohnung in der Stadt, womöglich 'das Atelier', denn ganz aufs Land zu ziehen können wir uns beide nicht vorstellen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.11.2010)


Foto: Lisi Specht.

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